Donnerstag, 1. Dezember 2016

Ein Projekt planen: Plotter vs. Pantser



Ich habe mir eine kleine Artikelreihe überlegt, um wieder etwas Leben in den Blog zu bringen - und weil es mir Spaß macht, mich mit solchen Dingen zu beschäftigen. Sie teilt sich in vier Blöcke, für die momentan jeweils sechs Artikel geplant sind. Das kann sich aber noch ändern.
Hier die vorläufige Planung für den ersten Block zum Thema "Plot und Narration":

1 – Ein Projekt planen: Plotter vs. Pantser
2 – Plotten nach Modell 1: Die Schneeflockenmethode
3 – Plotten nach Modell 2: Die Heldenreise
4 – Plotten nach Modell 3: Das 7-Punkte-System
5 – Plotten nach Modell 4: Die 3-Akt- und die 5-Akt-Struktur
6 – Die Raumtheorie nach Lotman – Grenzüberschreitung und Extremräume


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Viele kennen das, vor allem aus den ersten Schreibversuchen und -erfahrungen: Wir schreiben drauflos, haben vorher nur eine grobe Idee oder einen Charakter im Kopf, und bleiben irgendwann stecken. Grund dafür kann nicht nur die fehlende Motivation sein, sondern auch ein Bruch in der Logik, eine Lücke in der Handlung oder fehlende Ideen. Kurz: Wir wissen nicht, wie wir weiterschreiben sollen. Das hängt oft auch mit der Motivation zusammen, da diese durch solche Hindernisse gedämpft werden kann, wenn wir vorher im Schreibfluss und voller Euphorie waren. Die Konsequenz ist leider oft, dass wir die Geschichte abbrechen oder sogar ganz und gar verwerfen – was nicht immer notwendig ist.

Was uns Probleme bereitet hat, ist der Plot. Er ist sozusagen die Struktur unserer Erzählung und beschreibt, wann wir was erzählen und wann was in der Handlung passiert. Der Plot ist unsere Planung, wenn wir ihn vorher aufstellen, aber im Grund auch das, was am Ende der Geschichte dabei rauskommt.

Aber brauchen wir immer einen Plot, um einen Roman zu schreiben? Oder besser: Müssen wir diesen Plot immer vorher aufstellen?

Die Antwort ist: Nein, auch ohne vorheriges Planen kann ein ganzer Roman entstehen und ein in sich abgeschlossener und runder Plot vorliegen. Ob das gelingt und wie war das handhaben, hängt ganz von unseren jeweiligen Vorlieben und Erfahrungen ab. Es gibt Autoren, die vorher gerne plotten und ohne dieses Gerüst nicht schreiben können, und Autoren, die sich von solchen Planungen eingeengt fühlen und wunderbar drauflos schreiben können, um dann zu sehen, was sich daraus ergibt. Genauso existieren nicht nur die Plotter und die Pantser – also diejenigen, die nach Bauchgefühl schreiben. Jeder hat seine eigenen Methoden und Präferenzen und zwischen Plottern und Pantsern bestehen vielfältige Mischformen und Seitenwechsler. Also kein Grund zur Sorge, wer seinen Weg noch nicht gefunden hat.

Außerdem bedeutet es nicht, dass Plotter weniger kreativ sind oder nicht spontan handeln können – oft genug ändert sich der geplante Plot im Laufe des Schreibens. Sie setzen ihre Ideen nur auf eine andere Art und Weise um, sammeln und strukturieren sie vorher sozusagen. Und bei Pantsern muss auch nicht immer alles chaotisch und abstrakt zugehen. Sie machen sich genauso Gedanken und ordnen diese noch während des Schreibens – am Ende könnte derselbe Plot entstehen, den ein Plotter vorher aufgestellt und der sich bei einem Pantser während des Schreibens entwickelt hat.


Pro und Contra für Plotter und Pantser


Trotzdem sind mit den beiden Typen bestimmte Vor- und Nachteile verbunden.

Plotter:

  • Wer plottet, stößt beim Schreiben auf weniger Schwierigkeiten in Form von Plotlöchern, inkonsequenter Logik oder fehlenden Ideen, wie es weitergehen soll.
  • Meistens bedeutet dies, dass ein Plotter nach Fertigstellung der Rohfassung weniger Aufwand in die Überarbeitung stecken muss, zumindest was das Inhaltliche anbelangt.
  • Durch einen Plot, an dem sich orientiert werden kann, entsteht mehr Sicherheit beim Umsetzen der Ideen und bei den Folgen des Handlungsverlaufs.
  • Dagegen nimmt das Plotten sehr viel Zeit in Anspruch, die vor dem eigentlichen Schreiben liegt.
  • Es kann dabei vorkommen, dass es dem Plotter viel schwieriger fällt, überhaupt mit dem Schreiben anzufangen und er sich an der Planung festbeißt.
  • Ideen, die während des Schreibens entstehen, können schwieriger in den Plot aufgenommen werden, wenn dieser schon festgelegt ist und wenig Spielraum bietet.

Pantser:

  • Pantser können Ideen zwischendurch freier einbinden. Die Handlung kann sich bis zu einem bestimmten Grad frei und aus sich selbst heraus entwickeln, was weniger konstruiert und natürlicher ist.
  • Wer vorher kaum Zeit für das Plotten aufwendet, hat diese Zeit später beim Schreiben zur Verfügung: Er kann sofort anfangen.
  • Was dem Plotter Vorteile bringt, fehlt dem Pantser allerdings. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass er mitten in der Geschichte den roten Faden verliert, nicht mehr durchsieht oder feststeckt, weil sich die Dinge auseinander entwickelt haben und nun ein riesiges Plotloch dort klafft, wo sie zusammengeführt werden sollten.
  • Dadurch ist die Gefahr für Pantser größer, dass sie das Projekt abbrechen oder zumindest beiseite legen.
  • Ist die Rohfassung trotz aller Widrigkeiten beendet, benötigt der Pantser jetzt die Zeit zur Überarbeitung, die der Plotter in der Planung aufwenden musste.

Diese Vor- und Nachteile bedeuten keinesfalls, dass eine Methode besser ist als die andere: Es kommt darauf an, wie wir selbst am besten schreiben können und wobei wir uns am wohlsten fühlen. Das Gefühl muss stimmen – dann das ist das Wichtigste beim Schreiben.
Wir müssen uns selbst auch gar keiner Untergruppe zuordnen, denn schließlich sind das alles nur Begrifflichkeiten, die uns höchstens helfen können, wenn wir uns bewusst machen wollen, wie wir vorgehen und was wir verbessern können. Jeder arbeitet auf seine Art und Weise.

Dienstag, 8. November 2016

NaNoWriMo - Projekt "Nebelgeister" - Update zu "Kind der Wüste" - Write Your Book(s) 2017



Der NaNoWriMo läuft jetzt seit acht Tagen und bisher kann ich noch mithalten. Ich hatte ja leichte Zweifel, ob ich das alles so schaffe: Uni, privaten Kram, Überarbeitung von "Kind der Wüste" und das neue NaNo-Projekt "Nebelgeister". Die erste Woche lief aber ganz gut. Wenn ich vormittags Zeit hatte, habe ich an "Nebelgeister" geschrieben, dann wieder am frühen Abend, bis ich mit meinem Wordcount zufrieden war, und habe mich danach noch an die Überarbeitung gesetzt.


NaNoWriMo 2016 - 1. Woche


In den fünften Tag starte ich mit ca. 11.700 Wörtern für "Nebelgeister", die ich gestern erreicht habe. Wie man in der Statistik sieht, konnte ich mir während der ersten Tage einen kleinen Puffer aufbauen, der im Stress der Woche aber ziemlich geschrumpft ist. Inzwischen reicht die Zeit nur noch, um das Tagesziel zu erreichen, aber damit bin ich schon zufrieden.

Ziel des "National Novel Writing Month" ist es, 50.000 Wörter (oder mehr) in einem Monat an seinem Roman zu schreiben. Traditionell beginnt man dafür ein neues Projekt und obwohl ich die Überarbeitung von "Kind der Wüste" für den NaNo hätte zählen können, habe ich mich dazu entschieden, die Gunst der Stunde für den Beginn von etwas Neuem zu nutzen. Die Wahl fiel dabei auf Nebelgeister.

Das ist mein erster NaNoWriMo. Davor habe ich nur einmal beim Camp mitgewirkt, wozu es auch einige Blogeinträge gibt. Meine Erfahrung beschränkt sich also nur auf die ersten acht Tage, trotzdem will ich sie hier kurz zusammenfassen:

Vernetzung:
Besonders während der ersten paar Tage gab es haufenweise Postings auf Twitter. Über den eigenen Fortschritt, das eigene Unglück, nicht mitmachen zu können oder nicht in den Schreibfluss zu kommen, und gegenseitige Motivation und WordWars. Auch im Schreibnacht-Forum gibt es einen eigenen Bereich für die Teilnehmer des NaNo. Also überall Anspornungen, Austausch und Anregungen, die einen immer wieder daran erinnern, dass man jetzt eigentlich schreiben sollte.

Schreibwütige:
Sehr schnell kristallisierten sich unter meinen "Writing Buddies" diejenigen Schreiberlinge heraus, die den NaNo tatsächlich dafür zu nutzen scheinen, von morgens bis abends zu schreiben. So erreichten sie innerhalb kürzester Zeit die 10.000- und schließlich die 20.000-Wörter-Marke. Angeblich soll es sogar jemand geschafft haben, an einem Tag 50.000 Wörter zu schreiben - das, was sich einige in einem Monat vorgenommen haben. Der höchste Wordcount unter meinen Buddies beträgt momentan etwa 32.000 Wörter. Ich finde das wirklich bewundernswert und beneide diejenigen auch ein bisschen. Nicht nur, dass ich leider nicht so viel Zeit zum Schreiben aufbringen kann, dann die Uni diesen Monat wieder richtig losgeht, ich bin auch ein ziemlich langsamer Schreiberling. Nicht zuletzt, weil ich noch sehr viel Zeit auf Recherche verwende, die ich vielleicht vorher hätte erledigen sollen.

Zeitmanagement und -druck:
Setzt man sich einmal ein Ziel, ist man natürlich auch bestrebt, es zu erreichen. So geht es auch mir, weshalb ich mich durchbeiße, wirklich jeden Tag zu schreiben und das Tagesziel zu erreichen. Es steckt schon ein gewisser Druck dahinter, aber gerade dieser Druck zwingt mich dazu, mein Zeitmanagement zu überdenken und das Schreiben nicht auf spätere Zeitpunkte zu verschieben, in denen ich vielleicht mehr Ruhe hätte.

Bisher habe ich persönlich also ganz gute Erfahrungen mit dem NaNoWriMo gemacht. Ich werde nächste Woche wieder einen Post mit meinem aktuellen Fortschritt schreiben.



Projekt "Nebelgeister"


Hier erstmal ein paar Informationen zu meinem neuen Projekt "Nebelgeister":

Seit wenn ich daran arbeite:
Die Idee für die Geschichte ist bereits ein paar Jahre alt, liegt ausgereift aber erst seit wenigen Wochen vor, da mir die ersten paar Seiten, die ich damals geschrieben habe, nicht mehr wirklich gefallen haben und ich versuchen wollte, stärker mit einem Plot zu arbeiten, an den ich mich halten kann.
Für den NaNo musste ich mich für ein Projekt aus der "Ideenkiste" entscheiden. Da ich nicht mehr viel Zeit zum Planen hatte, ist es "Nebelgeister" geworden. Außerdem ist es eine Abwechslung zu "Kind der Wüste", da es ein ganz anderes Setting hat. Für den NaNo habe ich mir vorgenommen, so weit im Manuskript voranzukommen, wie es möglich ist und, wie gesagt, endlich mit einem neuen Projekt nach "Kind der Wüste" zu beginnen, an dem ich gedanklich noch sehr hänge.

Zum Setting:
Die Handlung spielt in einem Sumpfgebiet, düsteres, tückisches Land, das von allerlei "Monstern" bevölkert wird. Ausgangspunkt ist ein Fischerdorf am Rande des Sumpfes. Gedanklich stelle ich es mir als eine Mischung aus Bruchwald, Moor und tropischen Mangrovenwald (wobei die Temperaturen nicht denen der Tropen entsprechen und das Meerwasser nicht gegeben ist). Ich beschäftige mich nebenbei mit diesen Landschaftsformen und arbeite die meines Buches aus. Da es wieder in einer Fantasy-Welt spielt, kann ich mir die Grenzen bis zu einem gewissen Grad selbst setzen, allerdings will ich schon eine gewisse Kohärenz wahren.

Zum Konzept:
Das Besondere an dem Sumpfgebiet ist eine Art magischer Nebel, in dem die sogenannten Nebelgeister leben. Sie werden von den Menschen gefürchtet, da sie ihre Seelen rauben und in den Nebel ziehen, sie also somit selbst zu einem Nebelgeist machen. Daneben gibt es auch noch andere Geschöpfe, vor denen sich die Sumpfbewohner schützen müssen (sie haben da bestimmte Schutzmaßnahmen).
Die Handlung setzt ein, als die Fischer des Dorfes ein Mädchen im Sumpf finden und mitnehmen. Genaueres will ich aber noch für mich behalten.

Zu den Protagonisten:
Die Protagonisten sind Umbriel und seine kleine Schwester Gwen. Umbriel arbeitet bei seiner Tante als Korbmacher, Gwen ist erst elf Jahre alt. Sie wird im Dorf misstrauisch beäugt, weil sie eine seltsame Verbindung zu den Nebelgeistern zu haben scheint. Ihr Bruder will sie vor allem schützen.
Außerdem spielt auch das Geistermädchen, das die Fischer um Sumpf finden, eine besondere Rolle.

Zum Umfang:
"Nebelgeister" wird ein in sich abgeschlossenes Buch, eine Fortsetzung ist nicht geplant. Den Umfang kann ich schlecht abschätzen, da es bei "Kind der Wüste" schon viel mehr geworden ist, als ursprünglich angenommen. Aber so zwischen 100.000 und 150.000 Wörter werden es - meinen Hang zur Länge einberechnet - wohl werden.

Ich merke beim Schreiben von "Nebelgeister", wie sehr mir das reine Schreiben gefehlt hat als Ausgleich. Und um wie viel motivierter ich vor diesem Hintergrund an die Überarbeitung von "Kind der Wüste" gehe. Meine Befürchtung, mich nicht auf zwei Projekte zu konzentrieren und einzulassen können, hat sich bisher nicht bestätigt - ganz im Gegenteil. Ich hätte vermutlich viel früher mit dem neuen Manuskript starten sollen und wäre somit auch schneller mit der Überarbeitung vorangekommen - so paradox das auch klingen mag.



Weitere Arbeit an "Kind der Wüste"


Natürlich arbeite ich, wie oben erwähnt, auch weiter an "Kind der Wüste" und komme inzwischen ganz gut voran. Ich hoffe, die Überarbeitung Ende November beenden zu können, allerdings konnte ich die bisherigen Deadlines nicht einhalten. Also kann es sich auch durchaus bis Dezember ziehen, wenngleich ich mein Bestes versuche, das zu verhindern. Auf keinen Fall möchte ich das Projekt aber noch bis nächstes Jahr auf dem Stapel haben.
Außerdem habe ich mich jetzt fest dazu entschlossen, eine Buchreihe daraus zu stricken. "Kind der Wüste" wird also eine Fortsetzung haben, mehrere sogar, wenn alles so klappt, wie ich es geplant habe. Die Handlungen werden aber... aus bestimmten Gründen nicht ganz so fest miteinander verknüpft sein. Natürlich wird die folgende Handlung aus der jeweils vorherigen motiviert, konzeptionell sind sie aber völlig verschieden aufgebaut. Das heißt: Die Geschehnisse, die in "Kind der Wüste" ihren Anfang nehmen, finden in diesem Buch auch ihr Ende. In der Fortsetzung nehmen neue Ereignisse ihren Lauf. Warum das so ist und was ich damit meine, kann ich nicht erklären, ohne die Geschichte und ihr Ende aufzudecken.
Wie und wann genau ich mein Herzensprojekt veröffentlichen werde, habe ich noch nicht festgelegt. Ich werde auch aber auf dem Laufenden halten und hoffe natürlich, dass ihr an dem Buch interessiert seid.


Write Your Book(s) 2017


Und auf den NaNo folgt schon einen Monat später: Write Your Book(s) 2017!
WriYoBo ist ein Schreibevent im Schreibnacht-Forum, bei dem es Ziel ist, sein Buch bzw. seine Bücher 2017 zu schreiben und beenden. Dafür setzt man sich selbst ein monatliches Wortziel, das mindestens 10.000 Wörter betragen sollte. Für zusätzlichen Ansporn sorgen die vier Gilden: die Bücherhelden, die Schreibmaschinen, die Weltenweber und die Wortkrieger. Jeder wird einer Gilde zugeteilt und neben Aktivitäten innerhalb dieser Gruppen finden auch Turniere und Duelle statt, bei denen der Wordcount am Ende des Jahres entscheidet, welche der Gilden als Sieger aus der Schlacht mit Worten hervorgeht.
Nun, und... Ich bin dabei! Ich habe mich für den WriYoBo 2017 beworben und darf nun tatsächlich mitmachen. Das Monatsziel habe ich mir erstmal auf mindestens 20.000 Wörter gesetzt, würde aber natürlich immer gerne mehr schaffen. ^^ Im Dezember wird entschieden, wer in welche Gilde kommt - als erste Wahl habe ich die Weltenweber angegeben. Bin schon ganz gespannt, wo ich lande, und freue mich auf die Aktion.




Das waren sie, die Neuigkeiten, die ich neben den Posts auf Facebook auch hier mit euch teilen wollte. Ich bin froh, dass es nach der Sommerflaute wieder richtig losgeht - an der waren übrigens vorrangig meine Bachelorarbeit und drei weitere Hausarbeiten schuld.


Montag, 31. Oktober 2016

"Kind der Wüste" Impressionen - Arrak



Das Finale meines Trios aus "Kind der Wüste". Dreh- und Angelpunkt des ganzen Geschehens und zugleich auch der düsterste Charakter: Arrak. Der Ausschnitt aus Kapitel 5 soll nur andeuten, welch geistige Abgründe sich mit ihm auftun.



"Sie hatten diese Entstellung seines Namens benutzt, um ihn zu demütigen und seinen Willen unter den Messern zu brechen. Eines der vielen Mittel, ihm den Verstand zu rauben und in die endlosen Hallen des Leidens zu stürzen. Sie hatten gewollt, dass er seinen richtigen Namen vergaß, und er hatte auch gedacht, ihn verloren zu haben, während er dort in der Dunkelheit gewesen war und nichts gespürt hatte als Schmerz und kalte Messer. Doch mit dem Tageslicht war auch die Erinnerung zurückgekehrt.

Arrak.

...

Ich darf niemals vergessen, wie gefährlich dieser Mann ist, schwor sie sich und betrachtete Arrak aus sicherer Entfernung. Niemals. Denn sollte ich es jemals vergessen, wird er mich daran erinnern.
Und das wird mit hoher Wahrscheinlichkeit tödlich für mich enden."




Samstag, 29. Oktober 2016

"Kind der Wüste" Impressionen - Taren



Und hier kommt der zweite wichtige Charakter neben Tanryn aus "Kind der Wüste": Taren. Der Ausschnitt stammt aus Kapitel 10 und beschreibt seine Reise in den Spuren seines Vaters, unter fremden Geistern.



"Ein eigentümliches Gefühl legte sich über seine Brust, als er hinauf in den nächtlichen Himmel sah. Sogar die Sterne kamen ihm fremdartig und falsch vor. Taren dachte an Akelu und den Rest seines Stammes. Sogar an Daro. Wenn er auch von Geburt an anders gewesen war, so war ihm doch alles in seinem Dorf und der Blutwüste vertraut gewesen. Er hatte gewusst, wohin er gehörte und was seine Pflichten und Freiheiten waren. Wenn er Abstand von allem gebraucht hatte, war er einfach zu den Knochenbäumen gereist. Hatte er mit jemandem reden wollen, war Akelu dort gewesen, um ihm zuzuhören.
Er konnte nicht leugnen, dass er allein und weit fort von seiner Heimat war. Und er musste zugeben, dass er weit mehr Wehmut darüber verspürte, als er anfangs angenommen hatte."





Dienstag, 25. Oktober 2016

"Kind der Wüste" Impressionen - Tanryn


Ich würde gerne gelegentlich kleine Ausschnitte aus meinem Romanprojekt mit euch teilen.
Hier etwas aus Kapitel 7, das den Hauptcharakter Tanryn ganz gut beschreibt. Und eine kleine Bild-Spielerei von mir.

"Warum verstand er nicht, dass die Wüste mehr war als ein toter Fleck auf der Landkarte, unwegsames, karges Gebiet? Für Tanryn war dies so selbstverständlich, dass sie sich gar nichts anderes mehr vorstellen konnte. Die Wüste war nicht tot. Sie lebte mit jedem Sandkorn, das über die Dünen floss, und jedem Wind, der über sie hinweg strich. Wie das Pulsieren ihres eigenen Blutes konnte sie es fühlen, verstand die inneren Zusammenhänge, die alles aufrecht erhielten."



Freitag, 2. September 2016

Liebster Award 2.0

Ich wurde erneut für den Liebster Award nominiert, diesmal von Sabrina von http://sabrina-s-says.blogspot.de/, worüber ich mich natürlich freue. Vielen Dank für die Nominierung! So mache ich endlich mal wieder etwas für meinen Blog. Und nachdem ich das siebte Kapitel von "Kind der Wüste" fertig bearbeitet habe, kann ich mich deinen Fragen endlich zuwenden.

Hier die Antworten auf Sabrinas zehn Fragen, meine eigenen zehn Fragen und meine Nominierungen:

1. Über welches Thema bloggst du am liebsten?
Das ist einfach zu beantworten: Am liebsten blogge ich über das Schreiben, meine Ideen und Erfahrungen dabei und meine Projekte. Aus diesem Grund ist dieser Blog überhaupt erst entstanden. Ich beschäftige mich aber auch gerne mit philosophischen Themen (über die ich eigentlich auch gerne mal bloggen würde) und Bücher. Vielleicht kann ich das in nächster Zeit mehr in meinen Blog einbringen.

2. Wenn du aus dem Fenster schaust, auf was fällt dein Blick als erstes?
Obwohl wir leider in Zentrumsnähe wohnen und ein Häuserblock gleich gegenüber liegt (habe immer Angst, die können bei uns reingucken...), ist es tatsächlich ein ziemlich hoher Baum, der auf der Wiese zwischen unserem Haus und dem gegenüberliegenden steht. Er überragt die Gebäude sogar und verdeckt wenigstens etwas die direkte Sicht ins Fenster, Ansonsten gibt es nicht viel zu sehen (leider...).

3. Wir ist deine Meinung zu romantischen Komödien (in drei Worten)?
Einige fand ich echt lustig, andere eher nicht und insgesamt muss ich in Stimmung für solche Filme sein. Außerdem habe ich die meisten guten romantischen Komödien, also die mir gefallen, bereits gesehen und ich gucke nur ungern Filme zweimal. Und jetzt nochmal in drei Worten: Kann man machen.

4. Ist dir eins deiner Hobbys peinlich?
Hm, eigentlich nicht. Peinlicher ist es eher, wenn ich es zwar als mein Hobby bezeichne, es aber gar nicht mehr regelmäßig ausübe. Karate zum Beispiel ist bei mir immer noch im Kopf als eines meiner Hobbys drin - obwohl ich es schon seit vier Jahren nicht mehr trainiert habe. Oder Klavierspielen, obwohl ich in meiner Studentenwohnung kein Klavier habe. Das ist dann äußerst unbefriedigend für mich und irgendwie auch verwirrend - und ein bisschen peinlich.

5. Welchen deutschen Buch-Klassiker magst du am liebsten?
Also wenn mit Klassiker tatsächlich Klassiker der deutschen Literaturgeschichte gemeint sind, dann gehört auf jeden Fall "Nathan der Weise" zu den Büchern, die ich tatsächlich gerne gelesen habe. Oder die mir in der späteren Bearbeitung zumindest dank ihres Inhalt und Sinngehalts besonders in Erinnerung geblieben sind. Außerdem mochte ich auch "Die unendliche Geschichte", wenn es auch eine Weile her ist, dass ich sie gelesen habe. Die Werke von Brecht, Grass, Hesse und Hoffmann finde ich ebenfalls klasse.

6. Wie sieht es aus mit Sport - Mord oder lebensnotwendig?
Ich mache sehr gerne Sport, auch wenn ich mich öfter mal dazu aufraffen muss, wenn nicht so viel Zeit dafür übrig ist. Den Kampfsport mag ich am liebsten, trainiere aber aktuell in keinem Verein, was ich aber demnächst ändern möchte. Mir tut die Bewegung immer gut, ich fühle mach dann ausgelasteter und entspannter.

7. Wie stehst du zu offenen Enden?
Mit offenen Enden habe ich meistens kein Problem, wenn ich mich dann auch auf eine Fortsetzung freuen kann. Wenn die auf sich warten lässt, finde ich das wiederum nicht so gut, aber bei einer wirklich guten Geschichte lohnt es sich meistens dann auch. Ansonsten kommt es immer ganz auf die Geschichte an. Zu manchen passt ein offenes Ende, weil es einfach zum Nachdenken anregt oder alles andere weniger genial gelöst gewesen wäre, bei einigen kann es sehr unbefriedigend wirken. Ich selbst bringe in "Kind der Wüste" die Ereignisse zu einem Ende, lasse aber noch viel Spielraum, wie es mit den Charakteren weitergehen könnte - den ich vorhabe, dann auch auszufüllen. "Kind der Wüste" steht einerseits eigenständig da, seine Handlung ist abgeschlossen, aber es kann eben noch weitergehen (natürlich dann nicht unabhängig von den Ereignissen, sondern ganz bewusst von ihnen beeinflusst).

8. Wie viele Pflanzen hast du bei dir herumstehen?
Ich wünschte, es wären mehr. Früher hatte ich das ganze Zimmer voller Pflanzen, was ich echt schön fand und auch noch finde. In meiner eigenen Wohnung sind es weniger und irgendwie pflege ich sie auch nicht mehr so gut. Eine weitere Veränderung, die ich in die Wege leiten sollte...

9. Hast du ein Lieblingsschmuckstück? Wenn ja, wie sieht es aus?
Ja, verschiedene im Laufe meines bisher noch nicht so langen Lebens. Waren immer irgendwelche Anhänger, einmal ein einfacher schwarzer Stein, dann ein Drache. Zwischendurch mal ein Armreif mit Wolksköpfen darauf. Jetzt gerade ist es ein Armband aus Leder mit metallenen Verzierungen und einem bernsteinfarbenen Stein.

10. Mit welchem Genre kannst du nichts anfangen und warum?
Würde einfach mal sagen, diese "Schnulzen" und Bücher aus dem Genre Erotik sind eher nichts für mich. Ich mag ja Liebe in Geschichten, in Maßen, aber wenn es unrealistisch und overloaded ist, bin ich raus. Und obwohl ich absolut nichts dagegen habe, zählen auch die Gay Romance - Romane dazu. Ist wie gesagt einfach nicht mein Genre, wie ich beim versuchten Lesen gemerkt habe.

So, das waren sie, meine Antworten. Nun zu meinen Fragen:

1. Wenn du die Wahl hättest, jeden Beruf der Welt auszuüben, welcher wäre das und warum?
2. Was muss ein richtig gutes Buch für dich können - was ist die wichtig beim Lesen?
3. Was hat dich zum Bloggen inspiriert und was möchtest du mit deinen Posts erreichen?
4. Was war oder ist dein liebster Disney-Film und warum?
5. Wie sieht dein idealer Schreibzustand aus (Zeit, Ort, besondere Getränke oder Speisen, Vorbereitung, ...)?
6. Was war dein liebstes Fach in der Schule und welches mochtest du überhaupt nicht?
7. Pizza oder Burger?
8. Worüber kannst du dich so richtig aufregen?
9. Wenn du in einer Fantasywelt leben könntest, welche würdest du dir aussuchen und welche Rolle würdest du in ihr spielen bzw. Fähigkeiten haben (unbeteiligter Beobachter, Held, Begleiter, Herrscher, ... und magische Fähigkeiten, Kampffertigkeiten, ...)?
10. Wie wichtig sind dir Bücher und/ oder das Schreiben in deinem Leben?

Ich nominiere Leander von Miscellanea, Anna von kukkibloggtjetzt, Sarah von Feuerblüte und Valerie von valerieloe. Wenn sie das möchten. Ich werde mich bei ihnen melden und nehme sie natürlich von der Liste, falls sie nicht damit einverstanden sind. Ansonsten freue ich mich schon sehr auf ihre Antworten.


Mittwoch, 6. Juli 2016

Erste Erkenntnisse der Überarbeitung und eine neue Vorgehensweise


Das erste Kapitel von "Kind der Wüste" ist überarbeitet. Moment, erst das erste Kapitel, werdet ihr euch jetzt vielleicht fragen, da die Rohfassung vor beinahe zwei Monate beendet wurde. Ja, und das noch nicht einmal endgültig.

Zwei Gründe haben die Überarbeitung hinausgezögert:
1. Die Zeit. Fürs Überarbeiten brauche ich wesentlich mehr Ruhe und Konzentration, da darf dann noch nicht mal Musik nebenbei laufen. Hinzu kam, dass mich die Uni auf Trab gehalten hat (und auch immer noch hält).
2. Das Konzept. Im wesentlichen sind die Schritte die gleichen geblieben, nur laufen sie jetzt in einem Kapitel parallel ab und sind in zwei Phasen aufgegliedert. Es hat etwas gedauert, bis ich meinen eigenen Rhythmus für das Überarbeiten gefunden habe. Einzelheiten zu meinem Konzept verrate ich natürlich auch.

Im Nachhinein betrachtet bin ich ganz froh, dass nun doch etwas Zeit zwischen der Rohfassung und der Überarbeitung verstrichen ist. Es wird immer wieder dazu geraten, erst einmal Abstand zum Manuskript zu gewinnen, um bestimmte Aspekte aus anderen Blickwinkeln betrachten zu können. Auf diese Weise konnte ich bereits im ersten Kapitel einige Dinge grundlegend ändern, die mir so nie aufgefallen wären, die mir während des Schreibens einfach wie eine Wand vorgekommen sind, vor der ich viel zu dicht stehe, um einzelne Punkte oder die ganze Wand fixieren zu können. Ich schließe mich diesem Tipp zum Überarbeiten also auf jeden Fall an und kann euch auch empfehlen: Lasst etwas Zeit zwischen dem letzten geschriebenen Wort in eurem Projekt, das euch bis dahin sicher ans Herz gewachsen ist, und dem Zerpflücken. So verringert ihr außerdem das Risiko, am Ende alles hinschmeißen zu wollen, weil es mit dem Überarbeiten nicht klappen will oder sich in euren Augen alles blöd anhört - obwohl es das vielleicht gar nicht ist.

Nun aber zu meiner Vorgehensweise, wie ich sie beim ersten Kapitel angewendet habe. Natürlich spielt mein Notizbuch dabei keine unwesentliche Rolle. Für die Überarbeitung von "Kind der Wüste" habe ich mir ein neues angeschafft (man hat doch immer einen Grund, sich ein neues Notizbuch zu kaufen), da ich nur kleinere im A5-Format besitze, die mir für diese Arbeit ungeeignet schienen. In ihnen halte ich Ideen und Textfetzen fest. Hier das Exemplar, das ich für die Überarbeitung verwende:


Die Seiten sind etwas dicker und stabiler und weder liniert noch kariert - normalerweise benutze ich immer kariertes Papier, da ich auf liniertem nicht ordentlich schreiben kann.
Dann habe ich Kapitel 1 geöffnet (Kapitelüberschrift: Basar). Und dann ging es auch schon los: Absatz für Absatz habe ich mir die Sätze vorgenommen, dreimal rumgedreht und umgestellt und die Wortwahl auf Füllwörter und besser passende Synonyme untersucht. Dabei habe ich auch versucht, auf Tippfehler und Rechtschreibung zu achten, wobei ich die letzten Fehler sicher erst in der ausgedruckten Form erkennen werde. Wer die passenden Worte sucht oder einfach nach einer anderen Umschreibung, dem kann ich diese Seite empfehlen: http://synonyme.woxikon.de/. Ist bei mir ununterbrochen auf.
Nebenbei bzw. nach jedem Absatz habe ich mir zum überarbeiteten Text Notizen gemacht: zum Handlungsverlauf, aber auch wichtigen Informationen, die mit bestimmten Sachverhalten, die auftauchen, zusammenhängen. Ich habe sie als Verweise angelegt.

Zwei Beispiele dazu:

Tanryn ist auf der Suche nach einem neuen Auftraggeber => ist eine Skahri (= Karawanenführer)

  • Verweis Karawanenführer/ Skahri: Führung von Reisenden durch die Wüste => geographisches Wissen, Sprachkenntnisse, Traditionen/ Rituale, Maßnahmen zum Überleben

[...]

Tanryn wird von einem anderen Skahri beschimpft

  • Verweis Valah: Schimpfwort, "Tochter einer Hure" => ...


Beim zweiten Beispiel habe ich gekürzt - für das erste Kapitel ist die Spoilergefahr zwar relativ gering, trotzdem möchte ich Genaueres lieber noch für mich behalten. Es geht hier nur darum, meine Vorgehensweise zu veranschaulichen.
Wenn etwas im Text vorkommt, was einer Erklärung, Argumenten oder Randinformationen bedarf, auf die ich in späteren Kapiteln auch wieder zurückgreifen kann, wird es als Verweis in den Stichpunkten zum Handlungsverlauf eingearbeitet. Die Verweise fallen mal kurz wie im Beispiel ais, mal nehmen sie eine halbe Seite ein. Außerdem prüfe ich mit diesen lexikonartigen Informationen das Kapitel auf Logik und inhaltliche Richtigkeit und schreibe bestimmte Stellen bei Bedarf um. Das habe ich bei Kapitel 1 mehrfach getan und bin nun relativ zufrieden mit dem Ergebnis.
Das Ganze sieht dann ungefähr so aus (hoffentlich erkennt man nicht allzu viel):


Im Anschluss an diese Notizen habe ich dann eine Auflistung mit allen Verweisen eingefügt, um diese später schneller finden zu können. Außerdem möchte ich mir nach der ersten Überarbeitungsphase eine Tabelle anlegen, in der ich sehe, wo ich welchen Verweis finde und in welchen Kapiteln diese wichtig geworden sind. Danach kommt ein Abschnitt zu den Figuren, die in dem Kapitel vorgekommen sind, unterteilt in Informationen und welche Hintergrundaspekte der Leser in diesem Kapitel erfährt. Später wird in diesem Teil dann auch die Entwicklung nachskizziert. Für das, was der Leser wann erfährt, möchte ich nach dem ersten Durchgang ebenfalls eine Tabelle anfertigen, um die Übersicht zu behalten.

Korrigieren, Notizen machen, Informationen sammeln und strukturieren - das beschreibt mein Vorgehen während der ersten Phase der Überarbeitung. So möchte ich das mit allen Kapiteln machen. Sozusagen eine Bestandsaufnahme mit ersten Basis-Bereinigungen.
In der zweiten Phase möchte ich mich dann daran machen, diese Struktur in der gedruckten Form zu überprüfen, gegebenenfalls umzuwerfen und neu anzulegen. Wie genau ich dann vorgehe, werde ich darstellen, wenn es so weit ist.

Mich würde interessieren, wie ihr, andere Schreiberlinge, an die Überarbeitung geht bzw. ob ihr euch mein Konzept, wie ich es hier gerade vorgestellt habe, für euer eigenes Vorgehen vorstellen könnt.
Für mich geht es jetzt mit dem zweiten Kapitel weiter (Im Schutze des Feuers) und dann Schritt für Schritt mit jedem weiteren.