Samstag, 29. Oktober 2016

"Kind der Wüste" Impressionen - Taren



Und hier kommt der zweite wichtige Charakter neben Tanryn aus "Kind der Wüste": Taren. Der Ausschnitt stammt aus Kapitel 10 und beschreibt seine Reise in den Spuren seines Vaters, unter fremden Geistern.



"Ein eigentümliches Gefühl legte sich über seine Brust, als er hinauf in den nächtlichen Himmel sah. Sogar die Sterne kamen ihm fremdartig und falsch vor. Taren dachte an Akelu und den Rest seines Stammes. Sogar an Daro. Wenn er auch von Geburt an anders gewesen war, so war ihm doch alles in seinem Dorf und der Blutwüste vertraut gewesen. Er hatte gewusst, wohin er gehörte und was seine Pflichten und Freiheiten waren. Wenn er Abstand von allem gebraucht hatte, war er einfach zu den Knochenbäumen gereist. Hatte er mit jemandem reden wollen, war Akelu dort gewesen, um ihm zuzuhören.
Er konnte nicht leugnen, dass er allein und weit fort von seiner Heimat war. Und er musste zugeben, dass er weit mehr Wehmut darüber verspürte, als er anfangs angenommen hatte."





Dienstag, 25. Oktober 2016

"Kind der Wüste" Impressionen - Tanryn


Ich würde gerne gelegentlich kleine Ausschnitte aus meinem Romanprojekt mit euch teilen.
Hier etwas aus Kapitel 7, das den Hauptcharakter Tanryn ganz gut beschreibt. Und eine kleine Bild-Spielerei von mir.

"Warum verstand er nicht, dass die Wüste mehr war als ein toter Fleck auf der Landkarte, unwegsames, karges Gebiet? Für Tanryn war dies so selbstverständlich, dass sie sich gar nichts anderes mehr vorstellen konnte. Die Wüste war nicht tot. Sie lebte mit jedem Sandkorn, das über die Dünen floss, und jedem Wind, der über sie hinweg strich. Wie das Pulsieren ihres eigenen Blutes konnte sie es fühlen, verstand die inneren Zusammenhänge, die alles aufrecht erhielten."



Freitag, 2. September 2016

Liebster Award 2.0

Ich wurde erneut für den Liebster Award nominiert, diesmal von Sabrina von http://sabrina-s-says.blogspot.de/, worüber ich mich natürlich freue. Vielen Dank für die Nominierung! So mache ich endlich mal wieder etwas für meinen Blog. Und nachdem ich das siebte Kapitel von "Kind der Wüste" fertig bearbeitet habe, kann ich mich deinen Fragen endlich zuwenden.

Hier die Antworten auf Sabrinas zehn Fragen, meine eigenen zehn Fragen und meine Nominierungen:

1. Über welches Thema bloggst du am liebsten?
Das ist einfach zu beantworten: Am liebsten blogge ich über das Schreiben, meine Ideen und Erfahrungen dabei und meine Projekte. Aus diesem Grund ist dieser Blog überhaupt erst entstanden. Ich beschäftige mich aber auch gerne mit philosophischen Themen (über die ich eigentlich auch gerne mal bloggen würde) und Bücher. Vielleicht kann ich das in nächster Zeit mehr in meinen Blog einbringen.

2. Wenn du aus dem Fenster schaust, auf was fällt dein Blick als erstes?
Obwohl wir leider in Zentrumsnähe wohnen und ein Häuserblock gleich gegenüber liegt (habe immer Angst, die können bei uns reingucken...), ist es tatsächlich ein ziemlich hoher Baum, der auf der Wiese zwischen unserem Haus und dem gegenüberliegenden steht. Er überragt die Gebäude sogar und verdeckt wenigstens etwas die direkte Sicht ins Fenster, Ansonsten gibt es nicht viel zu sehen (leider...).

3. Wir ist deine Meinung zu romantischen Komödien (in drei Worten)?
Einige fand ich echt lustig, andere eher nicht und insgesamt muss ich in Stimmung für solche Filme sein. Außerdem habe ich die meisten guten romantischen Komödien, also die mir gefallen, bereits gesehen und ich gucke nur ungern Filme zweimal. Und jetzt nochmal in drei Worten: Kann man machen.

4. Ist dir eins deiner Hobbys peinlich?
Hm, eigentlich nicht. Peinlicher ist es eher, wenn ich es zwar als mein Hobby bezeichne, es aber gar nicht mehr regelmäßig ausübe. Karate zum Beispiel ist bei mir immer noch im Kopf als eines meiner Hobbys drin - obwohl ich es schon seit vier Jahren nicht mehr trainiert habe. Oder Klavierspielen, obwohl ich in meiner Studentenwohnung kein Klavier habe. Das ist dann äußerst unbefriedigend für mich und irgendwie auch verwirrend - und ein bisschen peinlich.

5. Welchen deutschen Buch-Klassiker magst du am liebsten?
Also wenn mit Klassiker tatsächlich Klassiker der deutschen Literaturgeschichte gemeint sind, dann gehört auf jeden Fall "Nathan der Weise" zu den Büchern, die ich tatsächlich gerne gelesen habe. Oder die mir in der späteren Bearbeitung zumindest dank ihres Inhalt und Sinngehalts besonders in Erinnerung geblieben sind. Außerdem mochte ich auch "Die unendliche Geschichte", wenn es auch eine Weile her ist, dass ich sie gelesen habe. Die Werke von Brecht, Grass, Hesse und Hoffmann finde ich ebenfalls klasse.

6. Wie sieht es aus mit Sport - Mord oder lebensnotwendig?
Ich mache sehr gerne Sport, auch wenn ich mich öfter mal dazu aufraffen muss, wenn nicht so viel Zeit dafür übrig ist. Den Kampfsport mag ich am liebsten, trainiere aber aktuell in keinem Verein, was ich aber demnächst ändern möchte. Mir tut die Bewegung immer gut, ich fühle mach dann ausgelasteter und entspannter.

7. Wie stehst du zu offenen Enden?
Mit offenen Enden habe ich meistens kein Problem, wenn ich mich dann auch auf eine Fortsetzung freuen kann. Wenn die auf sich warten lässt, finde ich das wiederum nicht so gut, aber bei einer wirklich guten Geschichte lohnt es sich meistens dann auch. Ansonsten kommt es immer ganz auf die Geschichte an. Zu manchen passt ein offenes Ende, weil es einfach zum Nachdenken anregt oder alles andere weniger genial gelöst gewesen wäre, bei einigen kann es sehr unbefriedigend wirken. Ich selbst bringe in "Kind der Wüste" die Ereignisse zu einem Ende, lasse aber noch viel Spielraum, wie es mit den Charakteren weitergehen könnte - den ich vorhabe, dann auch auszufüllen. "Kind der Wüste" steht einerseits eigenständig da, seine Handlung ist abgeschlossen, aber es kann eben noch weitergehen (natürlich dann nicht unabhängig von den Ereignissen, sondern ganz bewusst von ihnen beeinflusst).

8. Wie viele Pflanzen hast du bei dir herumstehen?
Ich wünschte, es wären mehr. Früher hatte ich das ganze Zimmer voller Pflanzen, was ich echt schön fand und auch noch finde. In meiner eigenen Wohnung sind es weniger und irgendwie pflege ich sie auch nicht mehr so gut. Eine weitere Veränderung, die ich in die Wege leiten sollte...

9. Hast du ein Lieblingsschmuckstück? Wenn ja, wie sieht es aus?
Ja, verschiedene im Laufe meines bisher noch nicht so langen Lebens. Waren immer irgendwelche Anhänger, einmal ein einfacher schwarzer Stein, dann ein Drache. Zwischendurch mal ein Armreif mit Wolksköpfen darauf. Jetzt gerade ist es ein Armband aus Leder mit metallenen Verzierungen und einem bernsteinfarbenen Stein.

10. Mit welchem Genre kannst du nichts anfangen und warum?
Würde einfach mal sagen, diese "Schnulzen" und Bücher aus dem Genre Erotik sind eher nichts für mich. Ich mag ja Liebe in Geschichten, in Maßen, aber wenn es unrealistisch und overloaded ist, bin ich raus. Und obwohl ich absolut nichts dagegen habe, zählen auch die Gay Romance - Romane dazu. Ist wie gesagt einfach nicht mein Genre, wie ich beim versuchten Lesen gemerkt habe.

So, das waren sie, meine Antworten. Nun zu meinen Fragen:

1. Wenn du die Wahl hättest, jeden Beruf der Welt auszuüben, welcher wäre das und warum?
2. Was muss ein richtig gutes Buch für dich können - was ist die wichtig beim Lesen?
3. Was hat dich zum Bloggen inspiriert und was möchtest du mit deinen Posts erreichen?
4. Was war oder ist dein liebster Disney-Film und warum?
5. Wie sieht dein idealer Schreibzustand aus (Zeit, Ort, besondere Getränke oder Speisen, Vorbereitung, ...)?
6. Was war dein liebstes Fach in der Schule und welches mochtest du überhaupt nicht?
7. Pizza oder Burger?
8. Worüber kannst du dich so richtig aufregen?
9. Wenn du in einer Fantasywelt leben könntest, welche würdest du dir aussuchen und welche Rolle würdest du in ihr spielen bzw. Fähigkeiten haben (unbeteiligter Beobachter, Held, Begleiter, Herrscher, ... und magische Fähigkeiten, Kampffertigkeiten, ...)?
10. Wie wichtig sind dir Bücher und/ oder das Schreiben in deinem Leben?

Ich nominiere Leander von Miscellanea, Anna von kukkibloggtjetzt, Sarah von Feuerblüte und Valerie von valerieloe. Wenn sie das möchten. Ich werde mich bei ihnen melden und nehme sie natürlich von der Liste, falls sie nicht damit einverstanden sind. Ansonsten freue ich mich schon sehr auf ihre Antworten.


Mittwoch, 6. Juli 2016

Erste Erkenntnisse der Überarbeitung und eine neue Vorgehensweise


Das erste Kapitel von "Kind der Wüste" ist überarbeitet. Moment, erst das erste Kapitel, werdet ihr euch jetzt vielleicht fragen, da die Rohfassung vor beinahe zwei Monate beendet wurde. Ja, und das noch nicht einmal endgültig.

Zwei Gründe haben die Überarbeitung hinausgezögert:
1. Die Zeit. Fürs Überarbeiten brauche ich wesentlich mehr Ruhe und Konzentration, da darf dann noch nicht mal Musik nebenbei laufen. Hinzu kam, dass mich die Uni auf Trab gehalten hat (und auch immer noch hält).
2. Das Konzept. Im wesentlichen sind die Schritte die gleichen geblieben, nur laufen sie jetzt in einem Kapitel parallel ab und sind in zwei Phasen aufgegliedert. Es hat etwas gedauert, bis ich meinen eigenen Rhythmus für das Überarbeiten gefunden habe. Einzelheiten zu meinem Konzept verrate ich natürlich auch.

Im Nachhinein betrachtet bin ich ganz froh, dass nun doch etwas Zeit zwischen der Rohfassung und der Überarbeitung verstrichen ist. Es wird immer wieder dazu geraten, erst einmal Abstand zum Manuskript zu gewinnen, um bestimmte Aspekte aus anderen Blickwinkeln betrachten zu können. Auf diese Weise konnte ich bereits im ersten Kapitel einige Dinge grundlegend ändern, die mir so nie aufgefallen wären, die mir während des Schreibens einfach wie eine Wand vorgekommen sind, vor der ich viel zu dicht stehe, um einzelne Punkte oder die ganze Wand fixieren zu können. Ich schließe mich diesem Tipp zum Überarbeiten also auf jeden Fall an und kann euch auch empfehlen: Lasst etwas Zeit zwischen dem letzten geschriebenen Wort in eurem Projekt, das euch bis dahin sicher ans Herz gewachsen ist, und dem Zerpflücken. So verringert ihr außerdem das Risiko, am Ende alles hinschmeißen zu wollen, weil es mit dem Überarbeiten nicht klappen will oder sich in euren Augen alles blöd anhört - obwohl es das vielleicht gar nicht ist.

Nun aber zu meiner Vorgehensweise, wie ich sie beim ersten Kapitel angewendet habe. Natürlich spielt mein Notizbuch dabei keine unwesentliche Rolle. Für die Überarbeitung von "Kind der Wüste" habe ich mir ein neues angeschafft (man hat doch immer einen Grund, sich ein neues Notizbuch zu kaufen), da ich nur kleinere im A5-Format besitze, die mir für diese Arbeit ungeeignet schienen. In ihnen halte ich Ideen und Textfetzen fest. Hier das Exemplar, das ich für die Überarbeitung verwende:


Die Seiten sind etwas dicker und stabiler und weder liniert noch kariert - normalerweise benutze ich immer kariertes Papier, da ich auf liniertem nicht ordentlich schreiben kann.
Dann habe ich Kapitel 1 geöffnet (Kapitelüberschrift: Basar). Und dann ging es auch schon los: Absatz für Absatz habe ich mir die Sätze vorgenommen, dreimal rumgedreht und umgestellt und die Wortwahl auf Füllwörter und besser passende Synonyme untersucht. Dabei habe ich auch versucht, auf Tippfehler und Rechtschreibung zu achten, wobei ich die letzten Fehler sicher erst in der ausgedruckten Form erkennen werde. Wer die passenden Worte sucht oder einfach nach einer anderen Umschreibung, dem kann ich diese Seite empfehlen: http://synonyme.woxikon.de/. Ist bei mir ununterbrochen auf.
Nebenbei bzw. nach jedem Absatz habe ich mir zum überarbeiteten Text Notizen gemacht: zum Handlungsverlauf, aber auch wichtigen Informationen, die mit bestimmten Sachverhalten, die auftauchen, zusammenhängen. Ich habe sie als Verweise angelegt.

Zwei Beispiele dazu:

Tanryn ist auf der Suche nach einem neuen Auftraggeber => ist eine Skahri (= Karawanenführer)

  • Verweis Karawanenführer/ Skahri: Führung von Reisenden durch die Wüste => geographisches Wissen, Sprachkenntnisse, Traditionen/ Rituale, Maßnahmen zum Überleben

[...]

Tanryn wird von einem anderen Skahri beschimpft

  • Verweis Valah: Schimpfwort, "Tochter einer Hure" => ...


Beim zweiten Beispiel habe ich gekürzt - für das erste Kapitel ist die Spoilergefahr zwar relativ gering, trotzdem möchte ich Genaueres lieber noch für mich behalten. Es geht hier nur darum, meine Vorgehensweise zu veranschaulichen.
Wenn etwas im Text vorkommt, was einer Erklärung, Argumenten oder Randinformationen bedarf, auf die ich in späteren Kapiteln auch wieder zurückgreifen kann, wird es als Verweis in den Stichpunkten zum Handlungsverlauf eingearbeitet. Die Verweise fallen mal kurz wie im Beispiel ais, mal nehmen sie eine halbe Seite ein. Außerdem prüfe ich mit diesen lexikonartigen Informationen das Kapitel auf Logik und inhaltliche Richtigkeit und schreibe bestimmte Stellen bei Bedarf um. Das habe ich bei Kapitel 1 mehrfach getan und bin nun relativ zufrieden mit dem Ergebnis.
Das Ganze sieht dann ungefähr so aus (hoffentlich erkennt man nicht allzu viel):


Im Anschluss an diese Notizen habe ich dann eine Auflistung mit allen Verweisen eingefügt, um diese später schneller finden zu können. Außerdem möchte ich mir nach der ersten Überarbeitungsphase eine Tabelle anlegen, in der ich sehe, wo ich welchen Verweis finde und in welchen Kapiteln diese wichtig geworden sind. Danach kommt ein Abschnitt zu den Figuren, die in dem Kapitel vorgekommen sind, unterteilt in Informationen und welche Hintergrundaspekte der Leser in diesem Kapitel erfährt. Später wird in diesem Teil dann auch die Entwicklung nachskizziert. Für das, was der Leser wann erfährt, möchte ich nach dem ersten Durchgang ebenfalls eine Tabelle anfertigen, um die Übersicht zu behalten.

Korrigieren, Notizen machen, Informationen sammeln und strukturieren - das beschreibt mein Vorgehen während der ersten Phase der Überarbeitung. So möchte ich das mit allen Kapiteln machen. Sozusagen eine Bestandsaufnahme mit ersten Basis-Bereinigungen.
In der zweiten Phase möchte ich mich dann daran machen, diese Struktur in der gedruckten Form zu überprüfen, gegebenenfalls umzuwerfen und neu anzulegen. Wie genau ich dann vorgehe, werde ich darstellen, wenn es so weit ist.

Mich würde interessieren, wie ihr, andere Schreiberlinge, an die Überarbeitung geht bzw. ob ihr euch mein Konzept, wie ich es hier gerade vorgestellt habe, für euer eigenes Vorgehen vorstellen könnt.
Für mich geht es jetzt mit dem zweiten Kapitel weiter (Im Schutze des Feuers) und dann Schritt für Schritt mit jedem weiteren.


Samstag, 21. Mai 2016

Vier Dinge, die nach dem letzten Satz im Manuskript passieren können





Monate- oder vielleicht sogar jahrelang hat uns das aktuelle Projekt begleitet, über Schreibblockaden und Flows hinweg. Wir nennen es unser 'Baby', unser eigen Fleisch und Blut, mit Tränen und Schweiß aufs Papier gebracht. Es hat uns teilweise in die Verzweiflung getrieben, doch trotzdem sind uns die Charaktere, unsere Figuren, ans Herz gewachsen - jeder einzelne von ihnen. Wir haben sie auf ihrer Reise begleitet, mitgefiebert, wenn sie sich wieder einmal verselbstständigt haben und beherzt eingegriffen, um Plot Holes zu schließen, die Handlung wieder in die richtigen Bahnen zu lenken und nachzuhelfen, wo sie noch unentschlossen waren.
Und nun... Ist es vorbei. Der letzte Satz ist geschrieben, das Schlusswort gesprochen und die investierte Zeit, das Herzblut und die Arbeit, haben sich gelohnt. Unser Roman ist beendet. Egal, ob mutig drauf los geschrieben oder nach akribischer Planung in den Computer gemeißelt, in einem Rutsch oder mit monatelanger Verzögerung: Früher oder später sind wir am Ende angelangt. Wir sind stolz als Schreiberlinge, ob es sich nun um das fünfte vollendete Werk handelt oder das erste. Ungeahnte Energie, Freude, durchströmt uns.
Und doch realisieren wir erst jetzt, welchen Schmerz dieses kleine Wort 'Ende' birgt. Wir haben ihn erahnen können, als wir unser Lieblingsbuch fertig gelesen hatten, erfühlen können zwischen den Zeilen und der Leere, die uns erfasste. Mit dem eigenen Manuskript erhält diese Wehmut eine ganz andere Dimension.

Je nach Typus des Schreiberlings und seinem individuellen Bestreben gibt es nun verschiedene Möglichkeiten, was nach dem letzten Satz im Manuskript geschehen kann.


Variante 1: Der Workaholic

Der Workaholic weiß, dass es mit der Rohfassung seines Manuskript noch nicht getan ist. Vor ihm wartet ein ganzer Haufen Arbeit und er ist fest entschlossen sich diesem zu stellen. Er fügt Szenen hinzu, löscht sie raus, arbeitet an Aufbau, Stil und Figuren und nichts kann ihn davon abhalten, den PERFEKTEN Roman zu schreiben. Er ist sich darüber bewusst, dass eine gewisse emotionale Distanz zu seinem Manuskript und den Figuren nötig ist und hält sich deshalb nicht länger als nötig an wehmütigen Erinnerungen auf.


Variante 2: Der Träumer

Wie schnell der Träumer die Phasen der Trauer durchlebt, ist ganz unterschiedlich. Allerdings enden sie immer mit einer neuen Idee, die den Träumer über Nacht packt oder darauf gewartet hat, aus der Ideenkiste gezogen zu werden. Ähnlich wie jemand, der sich nach einer schweren Trennung in die nächste große Liebesgeschichte stürzt, widmet sich der Träumer dem nächsten Projekt, bei dem er von Anfang an wieder Feuer und Flamme ist. Das erste Manuskript ist schnell vergessen oder als nagender Hintergedanke in der Schreibtischschublade verschwunden. Entweder heißt es dann, er würde es zu einem späteren Zeitpunkt überarbeiten oder es folgen Wehklagen darüber, wie schlecht er damals doch geschrieben hat und um wie viel besser seine derzeitige Idee doch ist. Eines sind Träumer aber auf jeden Fall: Produktiv und leidenschaftlich.


Variante 3: Der Lebensgefährte

Im Gegensatz zum Träumer kann der Lebensgefährte nicht loslassen. Er schwelgt in Erinnerungen über seine Geschichte und setzt sich intensiv mit den Figuren auseinander, verwendet sie in RPG's, arbeitet sie immer weiter aus und gestaltet die Welt und den ganzen Plot. Wenn der Lebensgefährte gleichzeitig produktiv ist, wird er an Fortsetzungen seines Manuskripts arbeiten, die sich ins Unendliche durchnummerieren lassen. Hier liegt wiederum seine Gemeinsamkeit zum Träumer. Für den Lebensgefährten ist der Schmerz nach der Fertigstellung eines Projekts wohl am größten - weshalb er ihn gar nicht erst ertragen möchte oder kann und deshalb einfach weiter daran arbeitet.

Variante 4: Der Winterschläfer

Selbstzufriedenheit möchte man dem Winterschläfer nicht unterstellen: Er hat allen Grund, stolz auf sich zu sein und die Freude über die Fertigstellung der Rohfassung überwiegt dabei die Wehmut. Nicht selten verkündet der Winterschläfer überall, dass er es endlich geschafft hat. Nicht selten macht er auch Pläne, wie es mit dem Manuskript und seiner Schreiberei weitergehen soll. Zuallererst gönnt er sich aber eine Pause, um seiner Kreativität neuen Raum zu geben. Und immerhin ist da ja noch der Alltag oder andere wichtige Projekte, die seine Aufmerksamkeit fordern. So vergeht die Zeit für den Winterschläfer bis zum schreibtechnischen Frühling, der dann ganz individuell ausfällt.


Welche Varianten und Autortypen kennt ihr noch? Wie habt ihr selbst das Ende eures Manuskripts empfunden und welchem Typus würdet ihr euch zuordnen?


"Kind der Wüste" - Rohfassung beendet - Geplante Überarbeitung


Wie ich bereits auf Facebook und Twitter verkünden konnte, habe ich am 14.05. um 02.30 Uhr, während der 30. Schreibnacht, den letzten Satz in der Rohfassung von "Kind der Wüste" geschrieben. Damit umfasst sie nun etwa 162.000 Wörter.
Der Sturm an Gefühlen, der mich in dieser Nacht und auch noch am nächsten Morgen überwältigt hat, glich einer Mischung aus Stolz über das zweite abgeschlossene Projekt, Freude, es endlich nach wochenlanger Verzögerung geschafft zu haben, und einer Wehmut, die ich während der letzten Kapitel immer stärker gefühlt habe. Auf dem Papier ist die Geschichte beendet, wenn während der Überarbeitung auch neue Aspekte und Änderungen dazu kommen werden. Doch die Reise mit meinen Charakteren, Tanryn, Arrak und Taren, ist ab diesem Moment zum Stillstand gekommen - schreibtechnisch betrachtet. Natürlich leben sie in meinem Kopf weiter und ich spinne an Fortsetungen ihrer Geschichten. Trotzdem soll "Kind der Wüste" ein in sich abgeschlossenes Buch bilden, was man zum Ende hin (hoffentlich) auch merkt.
Ein Wiedersehen mit ihnen feiere ich jetzt erstmal während der Phase der Überarbeitung, in der ich jeden ihrer Schritte und Gedanken genau unter die Lupe nehme, jede ihrer Eigentümlichkeiten prüfe und ihre Entscheidungen vor dem Hintergrund ihrer Persönlichkeit abwäge. Es wird ein harter Kampf bis alles genau so ist, wie ich es gerne hätte, womit ich zufrieden sein kann. In den letzten paar Tagen, die ich schreib- und überarbeitungsfrei verbracht habe, konnte ich mir bereits ein paar Gedanken über meine Vorgehensweise machen:

1. Überarbeitung:
Zuerst kommt für mich das Korrekturlesen am Computer, hauptsächlich mit dem Fokus auf Tippfehler, Rechtschreibung und Grammatik, sowie Formatierung und Kapitelaufteilung. Die groben Unreinheiten sollen für die folgenden Schritte beseitigt werden. Währenddessen lege ich die Liste von Logikfehlern und Änderungswünschen an, die ich für den zweiten Schritt brauche.

2. Überarbeitung:
Ich lese das Manuskript ein zweites Mal am Computer mit dem Blick auf meine Fehler- und Änderungsliste. Da sollten jetzt all diejenigen Szenen stehen, die ich umschreiben möchte (wenn mir zum Beispiel eine bessere Idee zur Auflösung der Situation gekommen ist oder zu einem bestimmten Sachverhalt), Aspekte, auf die ich bereits während des Schreibens gestoßen bin und geändert habe (zum Beispiel einen roten statt eines schwarzen Umhangs, der aber noch nicht in allen Textstellen auch rot ist) und Zusätze bzw. Streichungen im Manuskript (also Szenen, die ich hinzufüge oder rausnehme und die Einbindung dieser). Bin ich damit fertig, ist das meine 'eigentliche' Rohfassung, mit der ich nun weiter und detaillierter arbeiten kann.

3. Überarbeitung:
Nun bekommen meine Testleser diese Fassung, um sie parallel zu lesen, während ich mich an die nächsten, feineren Überarbeitungsschritte mache. Dazu drucke ich das Manuskript nun (endlich!) aus. Und da man auf richtigem Papier immer mehr sieht, folgt nun die Analyse aus der ersten Überarbeitung erneut.

4. Überarbeitung:
Auf diesen Schritt freue ich mich besonders: Ich möchte mir zu allen Orten, Personen und Handlungssträngen Bögen und Tabellen anlegen, sozusagen ein Lexikon bzw. Glossar parallel zum Buch. Dem Verlauf der Geschichte, also dem geschriebenen Wort es Manuskripts folgend, ergänze ich dieses Glossar und gleiche es mit allen Textstellen ab. So werden auch die letzten Logikfehler behoben. Bei den Orten prüfe ich die Einheitlichkeit der Beschreibungen und skizziere ihre Lage. Die Figuren werden auf ihre Entwicklung, Entscheidungen und Eigenschaften hin untersucht, sowie auf ihre Beziehungen untereinander. Die Handlungsstränge werden aus der Sicht der buchinternen Figuren hin angelegt und aus der Sicht des (unvoreingenommenen) Lesers. Es soll dargestellt werden, wann was aufgelöst wird, wie sich die Konflikte entwickeln und was der jeweilige Charakter darüber weiß. Hinzu kommt ein Zeitstrahl zur Übersicht. Gegebenenfalls werden Szenen umgeschrieben.

5. Überarbeitung:
Nachdem nun inhaltlich fast alles bearbeitet und auf die Glaubwürdigkeit hin geprüft wurde (auch nach Rücksprache mit den Testlesern!), folgt nun die stilistische Überarbeitung. Wichtige Punkte sind dabei:
- Wortwiederholungen, häufig gebrauchte Metaphern und unschöne Formulierungen umschreiben und den Gebrauch von Adjektiven und Adverbien eindämmen bzw. diese ersetzen,
- das Prinzip des "Show, don't tell" umsetzen und
- Redearten der Charaktere anpassen.

Insgesamt ist das die derzeitige Planung, wobei ich mich mit Sicherheit nicht an die Reihenfolge der Schritte halten werde, sondern diese vermische bzw. parallel bearbeite. Das trifft vor allem auf Punkt 2 und 4 zu - wahrscheinlich werde ich mir bereits während der Arbeit am PC ein Glossar erstellen oder zumindest damit beginnen und die Liste an Änderungen wird sicher über alle fünf Bearbeitungspunkte hinweg Verwendung finden.
Ähnlich wie mein Schreibtagebuch möchte ich euch als potentielle Leser meines Blogs auch über die Fortschritte der Überarbeitung informieren. Diese Updates werden unregelmäßig erfolgen, aber (hoffentlich) regelmäßiger als die des Schreibtagebuchs.


Dienstag, 12. April 2016

Schreibtagebuch bis zum 12.04.2016 (Camp NaNo Rückblick 1)


Das Schreibtagebuch geht weiter! Diesmal mit dem ersten Camp NaNoWriMo Eintrag, ein Rückblick auf die vergangenen zwölf Tage. Zusätzlich noch eine Auffrischung auf den aktuellen Stand der Dinge, da ich mich zu meinem Schreibfortschritt lange nicht mehr gemeldet habe.

Update des Fortschritts

Der letzte Stand lag bei 110.000 geschriebenen Wörtern und einem abgeschlossenen Kapitel 16. Nun, in der Zeit, die ich auf meinem Blog nicht aktiv war, habe ich aber trotzdem so einiges geschafft. Aktueller Stand, hier und heute am 12.04.16: Seit dem letzten Eintrag sind 23.891 Wörter dazu gekommen, das macht insgesamt ca. 134.000 Wörter, Kapitel 20 habe ich gestern abgeschlossen und Kapitel 21 angefangen.
Damit umfasst mein Manuskript schon jetzt mehr Wörter als geplant und ich frage mich, ob es nicht zu umfangreich geworden ist. Nach Kapitel 20 folgen noch mindestens zwei weitere Kapitel. Ein Kapitel umfasst bei mir etwa 7.500 Wörter - das Manuskript würde dann also etwas über 150.000 Wörter lang sein.

Schreiberfahrungen während dieser Zeit und Camp NaNo

Das meiste Geschriebene ist jetzt im April, also während des Camp NaNo, entstanden. Das zeigt mir bereits jetzt, dass mir Wort-Ziele tatsächlich helfen und mich motivieren. Schreiben ist ein kreativer Prozess, der fließen muss und nicht kalkulierbar ist. Das hat mich bisher immer davon abgehalten, Deadlines, Wort-Ziele oder andere Messmethoden zu verwenden. Ein Fehler, aus dem ich nun gelernt habe.
Es mag nicht für jeden zutreffen, aber ich kann nach anfänglicher Skepsis sagen, dass mir genau diese Dinge helfen. Das liegt nicht unbedingt nur an der Motivation - motiviert zum Schreiben bin ich auch so oft genug. Auch nicht am Ehrgeiz, denn noch habe ich mit meinem Projekt nichts erreicht, nichts veröffentlicht, schreibe (noch) für mich selbst. Ich glaube, der entscheidende Faktor ist hier die Schreibroutine, die sich einstellt, wenn ich mir jeden Tag vornehme, zu diesem Zeitpunkt zu schreiben und mir bewusst Raum für mein Projekt zu lassen.
Der Beweis war für mich die Zeit nach meinem Praktikum. Wie ich bereits mehrfach beklagt habe, bin ich in diesen drei Wochen kaum zum Schreiben gekommen, was mich in der Zeitplanung echt zurückgeworfen hat. Die ersten Tage danach lief es dann wieder schleppend, was mich angesichts des Erfolgs in der Zeit davor ein bisschen verzweifeln lassen hat. Dann habe ich mich aber trotzdem jeden Tag rangesetzt, insbesondere seit dem 1.April, und jetzt fließt es wieder.
Als wäre das Schreiben, mein ganzes Projekt und die Geschichte eine zähflüssige Masse, die erst nach ausreichend Zeit der Bewegung immer schneller fließt und schließlich ungehemmt strömt.
Obwohl die Uni nun wieder begonnen habe, möchte ich jeden Tag schreiben, um den Fluss nicht wieder zu stoppen. Dann würde nämlich erneut Zeit vergehen, bis er an Geschwindigkeit gewonnen hat.

Camp NaNoWriMo

Nun aber zu den bisherigen Ergebnissen des Camp NaNo. Mein Ziel sind 50.000 Wörter, wobei "Kind der Wüste" schon vorher enden wird. Den Rest werde ich mit Überarbeiten und kleinen neuen Projekten auffüllen.
























Da ich am heutigen Tag noch nichts geschrieben habe, reicht der letzte Balken nicht an den Wordcount und ich würde am 4.Mai die 50.000 Wörter erreicht haben. Das ändert sich natürlich noch, wenn ich heute weiterschreibe.
Was mir aufgefallen ist zu Schreibtempo, -zeit und -gewohnheiten:

  • Im Vergleich mit der Schreibgeschwindigkeit anderer Schreiberlinge und ihrem Wort-Ziel bin ich relativ langsam. Da dies aber meinem Tempo entspricht und ich während des Schreibens schon viel überlege, wie ich etwas formuliere und wie ich zu der nächsten Situation überleite, stört mich das nicht. Im Gegenteil bin ich ganz glücklich, das richtige Gleichgewicht gefunden zu haben, um kontinuierlich schreiben zu können.
  • Im Moment schreibe ich meistens abends, zwischen 19 und 23 Uhr, so wie ich Zeit habe. Das liegt sicher daran, dass bis gestern noch vorlesungsfreie Zeit war. Ich habe aber auch festgestellt, dass ich abends die längste Zeitspanne ohne Unterbrechungen habe. Ganz einfach, weil ich zu dieser Zeit meistens nicht allzu viel zu tun habe und finde.
  • Wenn ich schreibe, bin ich meistens hochkonzentriert und antworte nur selten, wenn mein Mann mich direkt anspricht oder unterbewusst, woran ich mich dann meistens nicht mehr erinnern kann. Außerdem höre ich meistens über Kopfhörer Musik. Wichtig ist, dass kein Gesang darin vorkommt, weil mich das wiederum ablenkt. Meistens fällt meine Wahl auf epische Musik, die dann als Hintergrundgeräusch runterspielt ohne von mir beachtet zu werden. Mit Klaviermusik hat es während der letzten Schreibsession auch ganz gut geklappt.

Aktuelles und Ausblick

Wie gesagt fehlen noch drei Kapitel bis zum Ende. Die Szenen, die ich im Moment schreibe, gestalten sich dabei als äußerst schwierig und eigenwillig, weshalb ich mehrfach umplanen musste - deshalb zieht es sich zum Ende hin auch so in die Länge. Es sind die Szenen vor dem Finale, die zu diesem hinleiten und es würdig herbeiführen sollen. Aus diesem Grund sind sie mir besonders wichtig und ich nehme die zusätzlichen Worte in Kauf.
Gleichzeitig habe ich ein bisschen Angst vor dem Ende, da die Reise mit meinen Charakteren dort vorläufig enden wird. Das Wiedersehen wird es dann während der Überarbeitung geben, trotzdem ist es ein befremdliches Gefühl. Bis dahin genieße ich jeden Moment.
Übrigens: Interessierten, worum es in "Kind der Wüste" eigentlich geht, schicke ich gerne eine kurze Inhaltsangabe.